Kryptowährungen und ihr Problem

Kryptowährungen sind spätestens seit dem Anstieg im Dezember 2017 in aller Munde. Berichte über die „Krypto-Blase“ mehren sich. Andere wiederum glauben an einen erneuten Boom des Kryptogeldes, denn das ist ja die Zukunft. Ich persönlich sehe es auch so, ob mit Boom oder ohne. Die Zukunft wird es werden. Ob es dabei noch bei Bitcoin oder Ethereum bleibt, sei einmal dahingestellt. Staaten werden notwendige Regulierungen (siehe Südkorea, Indien, USA usw.)  finden und vielleicht sogar eigenes Kryptogeld erfinden (siehe Venezuela). Denn nach wie vor bietet Kryptowährung einen einmaligen Vorteil gegenüber Banken: Es kann ohne Banken oder Dienstleister vertrauenswürdige (Geld-)Übertragungen unveränderbar verifizieren. Außerdem gilt es durch die dezentrale Struktur als „unhackbar“. Und genau da bin ich anderer Meinung.

Auch wenn der dezentrale Ansatz aller Kryptowährungen nicht gehackt werden kann (bzw. hat es noch niemand geschafft), so kann man doch üblicherweise die Software oder Webseite hacken. Außerdem sind die Menschen selbst immer noch das größte Sicherheitsrisiko, wie ein vermeintlicher Binance Hack zeigte, der sich als Phishing Kampagne entpuppte. Einsteigern in die Kryptowelt wird empfohlen entweder ein Hardware Wallet (welche auch nicht immer sicher sind) oder ein Paper Wallet fernab eines Computers zu verwenden, damit dieser nicht gehackt und ausgeraubt werden kann. Das Paper Wallet darf aber auch (bspw. bei einem Hausbrand) nicht verloren gehen. Hier zeigt sich bereits das eigentliche Problem: Der Computer gilt als unsicher.

Hinzu kommen Scam-Coins und -Tools oder Phishing Nachrichten per E-Mail oder als Facebook Werbung, die Nutzern ihre Zugangsdaten und Passwörter abzwacken. Unsichere Betriebssysteme (bspw. Android) oder Wallet-Software schaffen Einstiegsmöglichkeiten für Gauner. Das Unwissen der Nutzer über Soft- und Hardware führt noch schneller dazu, dass Wallets übernommen und ausgeraubt werden können, weswegen unter MyEtherWallet jeder Nutzer ein langes Intro-Tutorial durchlaufen muss, bevor er etwas machen kann. Das i-Tüpfelchen sind dann fehlerhafte Verwendung von Exchange-Wallets, wo Geld verpufft, wenn es bspw. für einen ICO verwendet wurde (es ist immer ein eigenes Wallet zu verwenden).

Es gibt also viel zu tun, um die „Awareness“ beim Nutzer zu erschaffen, dass Software und Webseiten nicht (immer) vertrauenswürdig sind. Oder das Browser-Extensions vollen Zugriff auf Inhalte einer Webseite haben und Software am Ende genauso sicher sein muss wie die Hardware-Verschlüsselung, die es nutzt. Doch genau so etwas kann man einer Software nicht direkt ansehen. Und eine 100%-ige Sicherheit kann es nicht geben. Und gerade für Smartphones gibt es keine sichere Möglichkeit, da die Hardware-Hersteller nur zögerlich langfristige Updates liefern. Was wir brauchen sind dezentrale Instanzen, die Software, Coins und Hardware prüfen und Zertifikate ausstellen, welche vertrauenswürdig, überprüfbar und sicher sind. Und das idealerweise ohne kommerziellen Hintergrund. Aber das ist wohl eine Utopie.

Wenn wir geschafft haben, nutzerfreundliches und sicheres Kryptogeld zu erschaffen, ist vielleicht auch das Anlegen und Handeln mit Kryptogeld komfortabler als heute. Und vielleicht kann man das Geld ohne große Kursschwankungen im Alltag gebrauchen, statt nur zu HODLn. Aber dann ist das Thema ja auch nicht mehr so spannend.

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